FAQs Teil 2: Worum geht es in deinen Texten?
Bis Weihnachten 2026 beantworte ich einmal im Monat eine Frage aus der Community zu Schreibleben und -prozessen. „Worum geht es in deinen Texten?“ war die zweite Frage.
Der Erzählimpuls
Mein grundlegender Erzählimpuls liegt in der Frage nach der Wirkmacht von Weltbildern. Siri Hustvedt formuliert das so: „Menschen sind die einzigen Tiere, die für Ideen töten, deshalb ist es ratsam, Ideen ernst zu nehmen, ratsam, die Frage zu stellen, woraus sie sind und wie sie zustande kommen.“ (aus: Die Illusion der Gewissheit, übersetzt von Bettina Seifried)
Woraus besteht ein Gedanke?
Wie verbinden sich Gedanken zu Geschichten? Seltsamer Stoff: flüchtig und unsichtbar, gleichzeitig formgebend für alles, was uns umgibt, formgebend für die eigene Identität. Annahmen, Vorurteile, Erfahrungswerte – unsere Geister hausen alle in mehr oder weniger renovierungsbedürftigen Gedankengebäuden.
Und hier wird es interessant: Was passiert, wenn die tragenden Wände befragt oder herausgefordert werden? Wenn sich der Blickwinkel verschiebt? Wenn sichtbar wird, aus welchen Weltbildern und Identifikationen der Grundriss des eigenen Geisterhauses besteht? Wie sind wir da hingekommen, wo wir heute sind?
Schreiben als narrative Archäologiearbeit
Schreiben bedeutet für mich immer auch eine Form von narrativer Archäologiearbeit. Konstruktion, Dekonstruktion, Mutmaßungen über Vergangenheit und Zukunft. Der Text wird zum Resonanzraum. Ich finde es dabei (gerade heute) elementar, die Bandbreite von Wut bis Sachtheit, von der großen Geste bis zum kaum hörbaren Atemzug zu pflegen.
Schwerpunkte
Schwerpunkte, die meine Texte von da aus über alle Altersgruppen und Bühnenformen hinweg immer wieder umkreisen: Formen von Zusammenleben. Mythologien und Spiritualität (Eva Rippe). Genderrollen und Feminismen (else (someone)). Soziale Herkunft und Verkörperung (Imperium der Illusionen).
Die Kernfrage lautet eigentlich immer: Worin finden wir Halt? Wovon wollen und sollten wir uns halten lassen?
Fantasie als Werkzeug
Anders formuliert, Ursula K. Le Guin, unübertroffen: „Ich halte die Phantasie für das mit Abstand nützlichste Werkzeug, das der Menschheit zur Verfügung steht […] Deshalb müssen wir lernen, sie zu gebrauchen“ (aus: Die Gebrauchsanweisung, übersetzt von Mathias Fersterer).
Stand 28. September 2026